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Weinkonvent zum Hl. Goar zu Gast bei Weinbaupräsident Gerhard Lambrich
St. Goar. Geplant war das Treffen eigentlich schon im Herbst zur Lese des Kultweines „vinum sancti goaris“ aus dem St. Goarer Schlossberg, den Winzer und Weinbaupräsident Gerhard Lambrich aus Oberwesel-Dellhofen seit fast 10 Jahren für die Stadt St. Goar wiederaufgestockt und seither betreut hat. Doch der Termin musste damals auf den Februar verschoben werden und wurde deshalb auf die Zeit der Abfüllung des Jahrganges 2011 in die Flaschen verlegt.
Die Konventsmitglieder brauchten die Verschiebung nicht zu bereuen. Gerhard Lambrich, Gründungsmitglied des Konventes, ließ die eleganten Weine seines Hauses sprechen, die er mit Tochter Christiane zu hervorragenden Kreszensen ausbaut. Zur Begrüßung servierte er einen feinperligen 2007er Sekt, der nach dreijährigem Hefelager mit duftender Frische aus dem Glas grüßte. Guter Sekt, nach der „methode champenoise“ hergestellt, so der Fachmann, benötigt einfach diese Zeit zur Vollendung.
Die Palette der Weine aus dem schwierigen Weinjahr 2010 eröffnete der „Riesling Classic“. Dieser Wein bereitete viel Kopfzerbrechen, denn bei der Lese hatte er einen hohen Säureanteil von 15 Prozent, der erst durch intensive Kellerarbeit auf 7 Prozent abgebaut werden konnte. Die hohen Säurewerte waren das Ergebnis der zu kühlen Septembernächte 2010. In normalen Jahren baut ein milder September die Säure auf natürliche Weise von allein ab.
Vollendet und mit duftiger Blume kam der 2010 Oberweseler Riesling Hochgewächs daher. Bei stark reduziertem Ertrag von nur rund 7.000 l/ha lässt dieser Wein die Zunge der Kenner schnalzen. Der Interesse der Bürger aus St. Goar galt besonders dem nächsten Wein, einem Wein aus der Gründelbach, ein Riesling Hochgewächs aus St. Goarer Südlage am Werlauer Hang.
Im Zuge der leichten Klimaveränderung wachsen jetzt hier wieder ideale Weine mit harmonischer Fruchtsäure, wie man sie am Mittelrhein bevorzugt. Gerhard Lambrich, der für alle vorgestellten Weine des Jahres 2010 jeweils die Goldene Kammerpreismünze erhielt, bevorzugt für alle Weine den Schraubverschluß, der einen weitgehenden Luftabschluß bietet und damit „Korkweine“ verhindert. Für den besten aller Verschlüsse hält er aber den Kronenkorken, wie ihn jetzt schon viele Winzer benutzen.
Zum Bild: Winzermeister und Weinbaupräsident Gerhard Lambrich (r.) trägt stolz die "Goldene Rebe", das Symbol der neuen Weincharta MIttelrhein. Lothar Wahl, Konventspräsident gratuliert begeistert zur Spitzenweinpräsentation.
Mit seinem feinherben Riesling aus dem Oberweseler Oelsberg erreicht Gerhard Lambrich absolutes Spitzenniveau im deutschen Weinbau. Aus 50jährigen Reben mit Ertragsreduzierung auf unter 3.000 l/ha und mit 108 ° Oechsle geerntet, ist auch die fein eingebundene Säure von 11,5 Prozent nicht mehr zu spüren.
Nach einem Riesling Hochgewächs lieblicher Art wurde zum Abschluß eine Geisenheimer Neuzüchtung, ein 2010er Spätburgunder trocken, serviert. Er muß auf der richtigen Fläche wachsen, wie die besten Rieslinge auch, dann wird bei einem Ertrag unter 4.000 l/ha dieser feine Rote, der wenig Saft gibt, aber viel „Haut“ zeigt, zum „samtigen“ Erlebnis für jede Zunge.
Konventspräsident Lothar Wahl fasste es abschließend zusammen: „Das war Weintrinken als ein echtes Kulturerlebnis im Welterbe Mittelrheintal und verdient die Hochachtung aller Weinfreunde. Die Spitzenweine vom Mittelrhein sind Botschafter der Landschaft, die solche Qualitäten auch als wirtschaftliche Kraft für die Zukunft braucht. Gut, dass es solche kreativen Winzerfamilien auch in der Zukunft noch geben wird.“
Adolf Meinung


