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Demokratisches Lernen als fundamentales Bildungsziel
Oberwesel. Demokratisches Lernen ist ein fundamentales Bildungsziel. Hierzu gehört im besonderen Maße die Partizipation am politischen Leben. Diesem Zweck dient der alljährliche Schülerlandtag in Mainz. Die Schülerinnen und Schüler erhalten hierdurch die Möglichkeit die Prinzipien des demokratischen Handelns kennen zu lernen. Beim 27. Schülerlandtag, der am 24. November 2011 stattfand, war auch die Klasse 10a der Heuss-Adenauer Realschule Oberwesel dabei. Bereits im letzten Schuljahr hatten sich die Jugendlichen in einem Auswahlverfahren um die Teilnahme beworben.
Gegen mehr als dreißig Schulen aus ganz Rheinland-Pfalz konnten sie sich schließlich behaupten. Neben ihnen durften sich auch die Realschule Plus aus Ludwigshafen, die Berufsbildende Schule aus Eisenberg und das Gymnasium aus Dierdorf über die Mitarbeit am 27. Schülerlandtag freuen.
Den ersten Baustein im Vorbereitungsprozess bildete der Besuch des Beauftragten für Öffentlichkeits- und Jugendarbeit Herrn Andreas Jäger, der das Projekt Schülerlandtag den Jugendlichen inhaltlich näher brachte. Erst danach konnte die Arbeit innerhalb der Klasse starten. Nach einer langen intensiven und kontroversen klasseninternen Diskussion bildete die Klasse 10a schließlich die Fraktion „Behindertenfreundliche Schwerpunktschulen“ (BFSS).
Vor der Plenarsitzung am 24. November 2011 hatten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren betreuenden Lehrerinnen Frau Cronester und Frau Paulus-Welzel viel Zeit und Engagement in die Ausarbeitung ihres Antrags investiert. Kernpunkt dieses Antrags bildete die Forderung nach mehr finanziellen Mitteln für die personelle und materielle Ausstattung an Schulen mit Integrationsauftrag. Die Jugendlichen stützten sich dabei auf die Behindertenrechtskonvention der UN aus dem Jahre 2006 und den Aktionsplan der Landesregierung Rheinland-Pfalz. In beiden Rechtsentwürfen wird die Inklusion, d.h. die Einbettung beeinträchtigter Schülerinnen und Schüler in alle Bereiche des Bildungssystems festgelegt. Die sich daraus ergebenden Anforderungen an Schulen, Lehrer, Eltern und Mitschüler wurden von den Jugendlichen kritisch hinterfragt und eigene Lösungsstrategien entwickelt.
Ein weiterer Baustein in der Vorbereitung des Schülerlandtages war die Sitzung des Ältestenrates am 18. Oktober 2011, zu der die gewählten Amtsträger in ihren Funktionen als Präsident (Daniel Nolte) und Fraktionsvorsitzende (Katharina Bach) sowie deren Stellvertreter (Rüdiger Hanß und Jenny Ohlrich) geladen waren. Danach folgte in den nächsten Wochen die intensive Vorbereitung auf die Plenarsitzung, die bald folgen sollte. Der eigene Antrag musste gefestigt, Änderungsanträge zu den Anträgen der anderen Fraktionen geschrieben werden. Allmählich wuchsen bei den Jugendlichen Aufregung und Anspannung. Endlich war der große Tag, die Plenarsitzung des 27. Schülerlandtags, gekommen.
Begrüßt wurden die Schüler vom Landtagspräsident Joachim Mertes, der durch seine offene und freundliche Art den Jugendlichen den Einstieg in den Tag erleichterte. Anschließend stellten die Fraktionen ihre Anträge vor und mussten sich während der Diskussionen im Plenum, die sich sehr differenziert gestalteten, mancherlei kritische Töne gefallen lassen. Nicht immer fiel es den Jugendlichen leicht, Argumente gegen den eigenen Antrag zu akzeptieren.
Alles in allem war dies im Rahmen der politischen Bildung eine gute Erfahrung, die den Jugendlichen aufzeigte, dass Politik nicht zuletzt von Kompromissen lebt. Der Antrag der Fraktion „Behindertenfreundliche Schwerpunktschulen“ wurde mit überwältigender Mehrheit vom Schülerlandtag angenommen und wird in einer der nächsten Sitzungen des Landtages Einzug in die realpolitische Diskussion erhalten. Alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a erachten die zurückliegenden Wochen intensivster Arbeit als wertvolle Erfahrung und tiefen Einblick in die politische Realität unseres Landes.
Foto: Klaus Benz

